JOSEFOW Ortsgeschichte

 

 

Josefow  -  Gründungsgeschichte

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Die Kolonie  >> JOSEFOW   (ukrainisch: Yosypivka) bei Radziechow im Kreis Zloczow / Galizien   wurde  im Zuge der Siedlungspolitik des Kaisers Joseph II. von Österreich-Ungarn 1785 gegründet von Graf Joseph Mier und findet als Ort bereits Erwähnung in dem 1794 veröffentlichten "Index Locorum omnium" für Galizien, Lodomerien und Bukowina. Etwa vierzig aus der Pfalz ausgewanderte Familien fanden hier eine Bleibe (61 Männer, 64 Frauen, 71 Jungen und 56 Mädchen).

In den alten Domänen-Akten des Wiener Hofkammerarchivs sind die Namen der ersten Ansiedler erhalten (Stand: 1788), darunter Bloch  aus Irlich, Zimmer aus Lebach, Enders aus Ebernburg, Tiefenbach aus Aurichen, Janz aus Wörrstadt, Harlos aus Bischheim.

Den Kolonisten wurde der Start in die neue Existenz erleichtert: jede Familie erhielt ein vom Staat finanziertes Wohnhaus und dazu als Grundausstattung je 2 Pferde, 2 Ochsen, 1 Kuh, 1 Schwein, Saatgut sowie landwirtschaftliches Gerät.*                                                                                                                                                                                                                                                                                                                            

Samuel Bredetzky beschreibt in seinem Werk  "Historisch-statistischer Beytrag zum deutschen Kolonialwesen in Europa" (1812) ** das Dorf wie folgt:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Den Status einer (evangelischen) Kirchengemeinde erhielt Josefow 1805. Gottesdienste wurden im Schul- und Bethaus gehalten. Der erste Bau aus dem Jahr 1798 wurde nach einem großen Brand 1807 neu errichtet.   Beratungen über anstehende Renovierungen führten 1844 zu einem Beschluss für einen Neubau, der 1846

fertiggestellt war.***  Er hat die zahlreichen Kriege überdauert und dient nun der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche als Gotteshaus.

 

Das Schulhaus aus dem Jahr 1867 (Bild links) ist renoviert und wird von den Dorfbewohnern als Fest- und Versammlungsraum genutzt.

 

 

 

 

 

Das ehemalige Pfarrhaus  - erbaut 1863 gegenüber der Kirche -  ist gleichfalls erhalten und wird bewohnt.

                            

 

Das Friedhofsgelände der früheren Kolonisten - bestehend ab 1789 **-  ist noch zugänglich: einige Grabsteine haben den Wirren der Zeit getrotzt und zeugen von deutschen Bewohnern mit Namen wie Zimmer, Bauer, Kaufmann, Hengel, Harlos, Haasis, Tramel und Jochum.  Von der JANZ-Familie fand sich keine Grabstelle mehr. Auch auf dem Ortsplan aus dem Jahr 1939 >>  http://www.tritthart.net/gesch/Karte-Josefow.htm  ist der Name nicht mehr verzeichnet. Eine mögliche Erklärung ist der Brauch von Holzkreuzen in den frühen Jahren der Besiedlung.  Für den hier interessierenden Familienzweig kommt hinzu, dass er nachweislich um 1874 ausgewandert ist nach Gnidau in Wolhynien / Russland.***

                                  

Jn ihrer Struktur als Straßendorf entsprach die Kolonie Josefow einem gängigen Muster in der Zeit der josefinischen Siedlungspolitik. Die Vorschriften für das Ansiedlungswesen (das "Hauptnormale" aus dem Jahr 1787) gaben den Siedlungsingenieuren Einzelheiten vor,  wie z.B. den zu wählenden Standort für den Dorfplatz, die Ausrichtung und Breite der Straßen, die Größe der Wohn- und Wirtschaftsgrundstücke, die Bauweise für Wohnhäuser und Stallungen / Scheunen etc.  W. Kuhn geht davon aus, dass dieses Siedlungsmuster auch von späteren Auswanderern nach Wolhynien übernommen worden ist und nennt als Beispiel Gnidau und Harazdze bei Luzk.

(vgl.  Walter Kuhn "Die Siedlungsformen der jungen deutschen Sprachinseln in Galizien"  in: 1781-1931 Gedenkbuch zur Erinnerung an die Einwanderung der Deutschen in Galizien vor 150 Jahren", Posen 1931, Seite 138 - 158, hier: Seite 156)

 

Die Kolonie Josefow hat sich in der Zeit ihrer deutschen Besiedlung weder räumlich noch in Bezug auf die Einwohnerzahl bemerkenswert vergrößert. Grund dafür ist zum einen das geltende "Anerbenrecht"  (d.h. der älteste Sohn übernahm den Hof ungeteilt, die übrigen Söhne wurden ausgezahlt und wurden entweder als Handwerker tätig oder siedelten in anderen Kolonien, was z.T. zu Kolonie-Neugründungen führte) und zum anderen die Praxis, dass Höfe von Auswanderern durch zurückbleibende Einwohner aufgekauft und dem eigenen Wirtschaftsland angegliedert wurden.

(vgl.  Walter Kuhn "Bevölkerungsstatistik des Deutschtums in Galizien", Wien 1930, Seite 72)

 

Im Jahr der Umsiedlung 1939  hatte Josefow insgesamt 300 Einwohner, davon waren 270 Deutsche.

(vgl. Volodymyr Kubijovyc   "Etnicni hrupy pivdennozachidn'oi Ukrainy  - Halycny - na 1.1.1939"  = Ethnische Gruppen in der Süd-West Ukraine, hier speziell Galizien) Wiesbaden 1983, Seite  63)

 


Friedhof in Josefow >> http://www.myvolyn.de/heimat-galizien/josefow-friedhof.html

 

                   

 

        

 

* Angaben nach Artur Berg "Liste der Ansiedler der Gemeinde Josefow" in: Ostdeutsches Volksblatt 1937, Folge 2 Seite 3

 

** Digitalisat: Staatsbibliothek Berlin - lizenzfrei für private Zwecke http://digital.staatsbibliothek-berlin.de/dms/werkansicht/?PPN=PPN667585427

 

*** Quellennachweis zu den Jahreszahlen des Kirchen-,  Schulhaus- Pfarrhaus-Baues in einer original erhaltenen Finanz-/Vermögensaufstellung aus dem Jahr 1885, unterzeichnet vom Presbyterium: Georg Breuer, Michel Janz, Pastor.....(unleserlich), Adam Tritthart, Gottfried Ermel, Martin Janz, Georg Völpel, Heinrich Harlos, Carl Kaufmann (Lehrer); (vgl. galiziendeutsches Heimatarchiv in der Martin-Opitz-Bibliothek Herne);  

zum  Kartenausschnitt :  "Deutsche Siedlungen in Galizien 1939"  http://www.semanchuk.com/gen/maps/UnterschutzGalizienDeutscheMap.png

vgl. auch weitere historische Karten: 

"Theile des Königreichs Galizien u. des russischen Gouvernements Wolhynien"  - Bearbeitungsstand 1810   (3,5 MB)

>>>   http://rcin.org.pl/dlibra/docmetadata?id=21976&from=publication

 

"Übersichtskarte von Mitteleuropa -  Pinsk, Dawidgrodek, Kowel, Dombrowica, Luzk, Ostrog" (mit Teilen von Galizien) 

Bearbeitungsstand 1915   (300 dpi - Achtung: große Datenmenge 66 MB !!)

>>> http://www.mapywig.org/m/German_maps/series/300K_UvM_joint1/Pinsk_Dawidgrodek_Kowel_Dombrowica_Luck_Ostrog.jpg

 

zur Entwicklung der Siedlungen im Kantorat Josefow vgl. Horst Machmer "Pfälzer Privatansiedlungen im Nordosten Galiziens - Dorfgründungen vom Ende des 18. Jahrhunderts", Garbsen, 2. Auflage 1999, Seite 142 - 160

 

siehe auch:  Julius A. Kolatschek "Die evangelische Kirche Österrreichs in den deutsch-slawischen Ländern", Wien 1869, Seite  167 - 171

>>> online:   https://archive.org/details/dieevangelische00kolagoog  

 


Josefow und Umgebung  auf einer Karte aus dem Jahr 1855 

>>>  http://rcin.org.pl/dlibra/doccontent?id=42837&from=FBC

 


Josefow auf einer russischen Karte aus dem Jahr 1942:    http://sunsite.berkeley.edu:8085/x-ussr/100k/M-35-062.jpg

 

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Letzte Aktualisierung: 23.10.2016