LUZK ev.-luth. Kirche

 

Die evangelisch-lutherische Kirche in Luzk

Vortrag von Dr. Mykhailo Kostiuk in Luzk am 8.10.2012*

Text zum Download (pdf 130 KB)

 

Die 1862 gegründete lutherische Gemeinde in Roshiszcze wuchs durch weiteren Zuzug und durch die hohe Geburtenrate in den Kolonistenfamilien so stark, dass der einzige Pastor die Seelsorge-Aufgaben nicht mehr allein bewältigen konnte. So wurde das Gebiet geteilt und die Adjunkturen Wolodymyr-Wolynsk (1891) und Luzk (1899) neu gegründet (unter Verwaltung des St. Petersburger Konsistoriums). Dem drängenden Wunsch der lutherischen Kolonisten nach einem eigenen Kirchenbau in Luzk kam die Stadtverwaltung nach langem Hin und Her nach und genehmigte die Errichtung auf einem Platz am rechten Styr-Ufer, auf dem einst ein katholisches Karmeliter-Kloster bestanden hatte, das durch einen Brand stark beschädigt und nicht wieder aufgebaut worden war.    

Das Baugelände wurde von der Stadt kostenlos zur Verfügung gestellt, allerdings unter der Bedingung, dass die Gemeinde innerhalb von 6 Jahren den Bau fertigstellt und außerdem die umgebenden Erschließungsstraßen auf eigene Kosten pflastert.  Die Grundsteinlegung ist dokumentiert am 24. Juni 1905, Die Kirche ist im (neu)gotischen Stil erbaut, sie erhielt eine Orgel mit 16 Registern aus der Werkstatt der Gebrüder Rieger (Jägerdorf, Mährisch-Schlesien) und eine Stahlguss-Glocke aus Bochum. Nach erheblichen Anstrengungen – auch Eigenleistungen der Kolonisten – konnte im September 1907 die Einweihung feierlich begangen werden.

Im Ersten Weltkrieg wurde die Kirche von russischen Truppen für militärische Zwecke genutzt und hat während des kriegerischen Beschusses in der Stadt erheblich gelitten. Nach Ende dieses Krieges wurde Wolhynien ein Teil Polens und die lutherischen Gemeinden dem Warschauer Konsistorium unterstellt. Reparaturarbeiten am Kirchengebäude in Luzk wurden ab 1923 nach und nach in Angriff genommen. 1937 wurde noch das Dach gründlich erneuert. 

Der Zweite Weltkrieg führte erneut zu schweren Zerstörungen an der Kirche. Im März 1951 nahm die Stadtverwaltung das Gebäude in Beschlag und richtete darin Diensträume ein. Ein Sturm in 1960 riss die Spitze des Glockenturms ab, ein Brand im Jahr 1972 vernichtete das Holzdach und beschädigte auch die seitlichen Turmspitzen. Im Jahr 1974 begann dann eine umfassende Renovierung, allerdings wurde das ursprüngliche Aussehen wesentlich zum Schlechten verändert: statt des Innengewölbes wurde eine flache Holzdecke eingezogen, der Innenraum in mehrere Stockwerke unterteilt und als Akten – bzw. Archiv-Räume der Stadtverwaltung genutzt.

                                                                                    

Mitte der 1980er Jahre wuchs im Land ein neues Bewusstsein in der Frage erhaltenswerter Architektur. Der Wunsch nach Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands des Gotteshauses nahm Gestalt an. Die Baptisten in der Stadt zeigten Interesse an der Übernahme des Gebäudes und waren schließlich erfolgreich in den Verhandlungen: die Stadtverwaltung überließ der Gemeinde das Kirchengebäude zu einem „Schutzmietvertrag“ mit der Verpflichtung zum Erhalt des Denkmals. Die 1991 begonnenen Renovierungsarbeiten fanden ihren Abschluss im Jahr 1994 mit einer feierlichen Einweihung. 

 


 

Christliche Spuren der wolhynien-deutschen Vorfahren:

Auch heute noch besteht eine kleine evangelisch-lutherische Gemeinde in Luzk. Als Kirchraum und Gemeindezentrum dient das ehemalige Pfarrwohnhaus neben der großen (jetzt baptistischen) Kirche.

Sie ist die einzige von insgesamt 32 Gemeinden der „Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine – DELKU“, die  - lt. Pastor Igor Taranenko (der einen Teil seiner Ausbildung an der Theologischen Hochschule der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche [SELK] in Oberursel absolviert hat) -  für den Gottesdienst noch deutsch-ukrainische Gesangbücher nutzt.

vgl. auch aktuelle Information: Lutherische Landeskirche Bayern

         

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

* Ich danke Herrn Dr. Kostiuk für die Zustimmung zur Veröffentlichung

weiterführende Literatur:

Dr. Mykhailo Kostiuk " Evangelisch-lutherische Kirche in Lutsk - ein Abriss über die Geschichte und Architektur",  (ukrainisch / deutsch,  2010)

 

Quellennachweis für das historische Foto: Jan Suszynsky (Hrsg.) :  Łuck na Wołyniu : opis historyczno-fizjograficzny

Luzk 1922, Seite 35 - online (polnische digitale Bibliothek):  http://www.dbc.wroc.pl/dlibra/doccontent?id=9397&from=PIONIER%20DLF