Reisebericht 1856

 

Auszug aus:    Marie Laura Förster  (1817 – 1856)

„Briefe aus Südrußland

während eines Aufenthalts in Podolien, Volhynien und der Ukraine“

Leipzig 1856, Seite 120 – 157 *

 

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Kapitel 4:

Aufenthalt in Wolhynien

1 .

Zytomierz, Mitte December

Wir haben den Landbewohnern, den Schneefeldern, Eispalästen und Wölfen Lebewohl gesagt und sind in die Stadt gezogen. An einem grauen Decembermorgen verließen wir das Gut; eingetretenes Thauwetter hatte die Wege verdorben und ließ uns trotz vielfachen Gespannes nur langsam vorwärtskommen. Die bekannten Gegenden, durch die wir bis Berditschew fuhren, uns liebgeworden in der Sommerschönheit ihrer Wälder, erschienen jetzt in der winterlichen Umhüllung fremd und traurig; die Straße war öde, nur dann und wann von einem jüdischen Fuhrwerk belebt. von der schmuzigen, häßlichen, nur von Juden bewohnten Stadt sahen wir zum Glück wenig, da wir im Dunkeln ankamen und in der Morgendämmerung wieder abreisten.

Schon waren wir in Wolhynien und erkannten den neuen Charakter der Landschaft trotz ihres Schneegewandes. Der Boden wurde ungleich und zeigte Höhen und Tiefen; Tannenwälder erhoben sich aus dem Schnee, Berge mit Nadelholz bedeckt zogen uns zur Seite hin und ein Fluß, in dem Eisschollen trieben, belebte das öde Land. Die kleinen Dörfer lagen da, still wie im Schnee erstarrt; Alles hatte sich in die Hütten verborgen und nur wenn unsere Karavane von Schlitten und Pferden anlangte, schien etwas Leben zu erwachen: Männer, Frauen, Kinder in Schafpelzen und großen Stiefeln stellten sich um die Wagen, während wir vor einer Schmiede oder einem Posthaus hielten, und betrachteten nicht uns, sondern die Pferde, interessierten sich für das Ab- und Anspannen und legten hülfreich Hand dabei an, ohne eine Belohnung zu erwarten.

Auf einer Fähre gelangten wir durch die Eisschollen an das jenseitige Ufer des Teterew; einige beschneite Thürme, die sich vor uns erhoben, verkündeten die Nähe der Stadt, auf welche keine Anlagen, Landhäuser oder Lustörter, wie man sie in Deutschland im Umkreis der kleinsten Ortschaft findet, vorbereiten.

Unser Haus, nahe an der Barrière gelegen, empfing uns mit seinen hellen freundlichen Räumen wie ein alter Bekannter, oder wie ein neuer, bei dessen Anblick man ahnt, daß er uns theuer werden kann. Auch beim ersten Blick aus Fenster und Balconthüren über die beschneiten Bäume des Gartens auf die Kuppeln und Thürme des Klosters und die tannenbewaldeten Berge im Hintergrunde war es uns, als sähen wir auf allen Punkten tausend noch verhüllte Freuden auf uns warten.

Am anderen Tage lernten wir diese unsere einstweilige Heimat Zytomierz, die Hauptstadt Volhyniens, näher kennen. Gleich allen russischen Städten umfaßt sie mit ihren auseinandergestreuten Häusern einen großen Raum; sie zieht sich weit auf der Bergebene hin an den Abhängen und in den Schluchten hinunter bis an den Teterew, an dessen jenseitigem Ufer die Berge wieder emporsteigen. An der Straße, die wir bewohnen, und noch in einigen anderen ebenso langen und breiten Straßen liegen hübsche weiße Häuser mit grauen oder grünen Dächern, meist nur aus einem Rez-de-Chaussée bestehend, zu dem eine kleine Vortreppe führt. Jedes ist nur für eine Familie eingerichtet und bildet mit Nebengebäude, Hof, Garten ein kleines abgeschlossenes Etablissement. Ueber die niedrigen Dächer erheben sich zahlreiche alte Bäume, theils schlanke Pappeln, theils hochgewachsene Birken, die selbst mit blätterlosen Zweigen anmuthsvoll erscheinen. Man ahnt aus dem Ganzen die Sommerlieblichkeit der Stadt; jetzt aber im Winter, mit diesen breiten öden Straßen und den vielen kahlen Bäumen und Gärten erscheint sie wie ein verlassener Badeort. Man müßte die Bewohner aller dieser luftigen kleinen Sommerhäuser bedauern, wüßte man nicht, daß diese Wohnungen, durchaus geheizt, mit doppelten, bis zum Frühling festgeschlossenen Fenster, keinen Hauch des Winters einlassen.

An der Hauptstraße, die zur Barrière von Kiew führt, zeigte man uns das Haus des Generalgouverneurs, ebenfalls nur ein weißes luftiges Gebäude mit grünem Dach und grünen Jalousien, nur in der Mitte zu einem Stockwerk erhoben, die niedern Seitenflügel aber weit von den Bäumen des Gartens überragt.

 

Lexikonartikel aus:    Karl Friedrich Robert Schneider

Handbuch der Erdbeschreibung

und  Staatenkunde in ihrer Verbindung mit Natur- und Menschenkunde“

Bd. 1, 3,  Glogau u.a. 1857, Seite 2194 – 2195

 

Andere ähnliche Gartenhäuser in der Nähe nannte man uns als Wohnungen des Vicegouverneurs und des Gouvernementmarschalls. Alles sah so anspruchslos, so gemüthlich heiter und einfach aus, daß man sich leicht ein anziehendes Bild von den Bewohnern dieser kleinen Häuser und ihrem Leben machen konnte.

Hier und da erhoben sich zwischen den einfachen Wohnungen neue elegante mehrstöckige Häuser, anzusehen wie verirrte, aus München oder Berlin hierherverschlagene Wanderer. Neben den von der vornehmen Welt bewohnten größern und reinlichen Straßen ziehen sich viele andere hin mit dicht aneinandergebauten Häusern und halbzerfallenen Hütten, die durch Unreinlichkeit, Lärm und zahllose Kinder ihre jüdischen Bewohner ankündigen. In der Mitte dieser regellosen Wohnungen steht auf einer Anhöhe die katholische Hauptkirche, die mit vier Thürmen die ganze Stadt überragt; auf einem andern Felsenhügel erhebt sich ein weißes schloßartiges Gefängnisgebäude. Auf einem offenen öden Platze, über den der Steppenwind von Osten her bläst, steht eine große russische Kirche, weiß mit drei großen grünen Kuppeln; ähnliche kleinere Kirchendome ragen da und dort über die Häuser empor. Am Marktplatz, in der Mitte eines grasbewachsenen Vorhofs, ladet eine zweite katholische Kirche mit einer offenen Pforte uns in ihren heiligen Raum. Neben der Kathedrale auf der Höhe liegt das einfache Wohnhaus des Bischofs und das katholische Seminar, dessen schwarzgekleidete Zöglinge dann und wann langsam durch die Straßen ziehen. Vor den russischen Kirchen und von den Wohnungen russischer Priester sieht man häufig eine große Menge wilder Tauben versammelt, welchen hier täglich reichliches Futter ausgestreut wird. Der russische Bischof bewohnt in unserer Straße ein großes, einsam zwischen hohen Bäumen gelegenes Haus, dessen grünes Dach ein goldenes Kreuz überragt und vor dem man immer einige russische Mönche in schwarzen Gewändern auf- und abwandeln sieht.

An den meisten einstöckigen Häusern des Marktplatzes ziehen sich Verkaufshallen hin, der Gostinoi-Twor, der in keiner russischen Stadt fehlt. Dort verkaufen die bärtigen russischen Kaufleute in stattlichem Kaftan, mit rothen freundlichen Gesichtern in einzelnen Läden verschiedene Fabrikate, besonders Eisen-, Kupfer- und Pelzwaaren. Alles ziemlich solide tüchtige Producte des Inlandes, während die jüdischen Händler meist Erzeugnisse des Auslandes von alter verlegener Beschaffenheit feilbieten, theils in kleinen Läden, theils auf offener Straße,  in der sie langsam, mit ihren Waaren bepackt, auf- und niederschleichen. Mitten unter diesen ärmlichen Kaufläden haben einige polnische oder ausländische Modistinnen, Conditoren, Musikalien- und Buchhändler u.s.w. elegante Magazine etablirt, sodaß man sich selbst hier mit den verschiedensten Luxusgegenständen versehen kann. Auch ein Theatergebäude gibt es, nicht eben schlechter, als die Thespishallen unserer Provinzialstädte zu sein pflegen, und sogar mit einem griechischen Porticus versehen, der aber dem Einsturz ziemlich nahe scheint. Den Winter durch spielt hier eine stehende Truppe täglich in polnischer Sprache vor einem oft sehr vornehmen eleganten Publicum, das mit dem schmuzigen matterleuchteten Hause seltsam contrastirt. Gegenüber steht ein größeres Gebäude, in dem der volhynische Adel seine Marschälle wählt und seine Bälle feiert. Dasselbe hat ebenfalls ein etwas verfallenes Ansehen; vom Frontispice ist der Anstrich theilweise abgelöst, sodaß hinter dem kaiserlichen Adler ein Stück des altpolnischen Wappens hervorschimmert.

Die Fußgänger in den Straßen bestehen fast allein aus langbärtigen Juden, Bauern und glattrasirten Soldaten, zwischen denen Kühe, Ziegen und noch weniger ästhetische Vierfüßler langsam dahinwandeln. Mit diesem gehenden Publicum contrastirt das fahrende und reitende, das auf schönen Pferden, in eleganten Droschken   und vier- und sechsspännigen Equipagen durch die schmuzigen Straßen und über die öden Plätze fliegt.

Nach dem langen Aufenthalt auf dem Lande freuen wir uns doppelt wieder so viel Menschenleben um uns zu sehen. „Und wo ihr’s packt, da ist’s interessant“ fühlen wir mit dem Dichter und denken, daß Dem nur die Einsamkeit genügen kann, der sich in sie mit einer großen Idee, einem großen Glücke oder einem großen Schmerze flüchtet. Wir freuen uns, wieder in der Welt zu sein, in der man sich ja auch mit jedem tiefern Athemzuge des Gedankens Einsamkeit schaffen kann,  - und freuen uns, uns selbst widerzuspiegeln in tausend Gestalten, in allen uns wiederzufinden, tausendfach carikirt oder idealisiert: der Handelnde und Leidende, der Glückliche und Traurige, das Genie und die Narrheit, der Sündige und Tugendhafte – in Allem siehst du Das, von dem etwas deine wie jede Menschennatur entwickelt oder im Keime verbirgt!

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Seitdem der Schnee von neuem die Straßen bedeckt, sind sie von vielen Schlitten belebt; zierliche kleine zweisitzige, mit weichen Pelzdecken belegt, fliegen zu Hunderten vorbei; hinter den Pferden sind farbige Netze ausgespannt, grün, roth oder goldgelb, wie Sonnenstrahlen anzusehen. Darüber thronen die Kutscher in pelzbesetztem Kaftan, mit langem Bart und hohem Hut, und rufen ohne Unterlaß: „Na prawa“, rechts!  „Na lewa!“, links! Unaufhörlich eilen diese kleinen Schlitten aneinander vorüber und trotz ihrer Menge und der Schnelligkeit des Fahrens ereignen sich selten Unglücksfälle, was man der strengen Aufsicht, unter der die Kutscher stehen, und den harten Strafen, die ihnen bei solchen Unfällen drohen, zuschreiben muß. Schwerfälliger ziehen die großen Reiseschlitten mit den dicht in Pelz gehüllten Pferden und Dienern vorbei und die Lastschlitten der Bauern, welche mit beschneitem Holz und Feldfrüchten oder festgefrorenem Wild und Fischen beladen sind; diese kommen am zahlreichsten des Sonntags, wo hier, wie in Süddeutschland, der Hauptmarkt gehalten wird und auch die Juden ihre Waaren in größter Menge ausbieten, wodurch die Stadt jedes festliche Aussehen verliert; bis an die Kirchenthüren drängt sich das Handeltreiben und mit dem Trödelkram alter Kleider und Geräthe verkaufen die Juden auch Heiligenbilder, Crucifixe und Rosenkränze; freilich macht die Kirche dann mit ihrem Orgelklang, Weihrauchduft und ihren weißgekleideten Priestern einen doppelt feierlichen Eindruck und erscheint wie ein Asyl mitten im Weltgewühl.

Bei den Wegen durch die Straßen wird man häufig in den Orient versetzt, nicht blos durch die vielen Juden in ihren dunkeln Kaftanen, sondern auch durch die Tscherkessen, Perser und Kosacken, die dann und wann in malerischen Trachten erscheinen. In den kalten Tagen sind alle Trachten wenn nicht malerisch, doch immer grotesk. Man sieht die sonderbarsten Verhüllungen und die Bauern tragen alle ihre Kleidungsstücke, ihre Kaftans und Pelze übereinander, dazu große Pelzstiefeln und Pelzmützen, sodaß sie ganz unförmlich erscheinen; die Frauen verhüllen sich außerdem Kopf und Gesicht mit Tüchern, sodaß nur die Augen freibleiben. Auch die Vornehmen verbergen sich gleich ängstlich in ihren kostbaren Pelzen, und die Herren, denen man in der Straße begegnet, gleichen in ihren Mänteln mit weitem zottigem Kragen und der haarigen Kopfverhüllung eher Bären und Wölfen als Menschen. Alles ist gegen den Winter gerüstet und gepanzert wie gegen den schlimmsten Feind; die Häuser sind gleich Festungen gegen sein Eindringen verwahrt und bei weitem wärmer als die unserigen, so daß solch ein russischer Winter sich leichter erträgt als einer im Süden, wo man es noch nicht gelernt hat, oder nicht der Mühe werth hält, mit ihm zu kämpfen; auch die Diener haben in den durchaus geheizten Häusern weniger als die unsern zu leiden und selbst die ärmste Hütte ist reich an Holz und Wärme.

Wie sich hier überall der Luxus, die Civilisation und ihre Contraste begegnen, so trägt man, um die widersprechendsten Eindrücke zu vermeiden, die Todten unbedeckt mitten durch das bunte Leben. Da gibt es zuweilen die ergreifendsten Begegnungen! Wir hören einen dumpfen Gesang, der Schlitten hält an, wir blicken zur Seite und sehen plötzlich neben uns hoch über den Schultern der Träger eine starre Gestalt, ein bleiches Todtenantlitz. Priester, die das Crucifix und gemalte Heiligenbilder tragen, begleiten die Leiche, der nach uraltem Gebrauch Brot und Salz mit in die Gruft gegeben wird.

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Zur Stadt gehört ein Elisabethinerkloster, das am Rande der Bergebene liegt, hoch über dem Teterew, umgeben von Linden und dunkeln Tannen, die seine Kuppeln und Thürme überragen. Wir fahren oft zur Frühmesse in die Kapelle, wo uns der Gesang der Nonnen und ihrer kleinen Zöglinge erfreut und wo eine gute Copie der Sixtinischen Madonna uns vom Hochaltar hernieder wie eine liebe Bekannte grüßt. Die 14 Nonnen, deren Zahl nicht erneut und vermehrt werden darf, sind mit der Erziehung armer Kinder und der Pflege von Kranken verschiedener Religionen beschäftigt. In Küche, Waschhaus, Krankensälen, Garten, Apotheke, Todtenkammer sind sie unaufhörlich thätig; die unter weißer steifer Haube verborgenen Gesichter sehen mild und freundlich aus. Ein Theil des Klostergebäudes dient zu einer russischen Erziehungsanstalt für arme Kinder, die hier in großen reinlichen warmen Sälen in Religion, Elementarkenntnissen und allerhand Arbeiten unterrichtet, dabei einfach und gut genährt und gekleidet werden. Die kleinen Mädchen nähen, stricken, fertigen Kleider so hübsch und elegant, daß die meisten Damen der Stadt hier für ihre Toilette arbeiten lassen.

An der hohen Tanne vorüber, die bei einem Besuch Kaiser Alexander’s I. am Bergrand gepflanzt wurde, kommt man zu einem niedern strohbedeckten, von alten Bäumen umschlossenen Hause, in dem ein ehrwürdiger heiliger Mann lebt: der Seelsorger des Klosters, der Abbé D., ein wahres Ideal von Priester, der sein Vermögen wie seine Kenntnisse, die sich über alle Reiche des Wissens erstrecken, am Altare Gottes niedergelegt und sein ganzes Leben dessen Dienste geweiht hat. In dunkler Morgenfrühe geht er durch Schnee und Kälte zum Kloster, um dort die Messe zu lesen; dann fährt er in ärmlicher, mit Stroh gefüllter Brischka da- und dorthin, zu Reichen und Armen, um  Kranke und Sterbende zu trösten, Rathlosen zu helfen, Unwissende zu belehren. Dünnes Silberhaar bedeckt sein Haupt, Nachtwachen, Arbeit und Entbehrung haben sein Gesicht durchfurcht; aber ein höheres Licht als das der Jugendfrische ist darüber ausgegossen; es ist, als ob im Antlitz selbst etwas von jenem Heiligenschein strahle, der,  sonst im Bilde das Haupt der Auserwählten Gottes umgibt.

2 . 

Zytomierz, Anfang Januar

Die zwei großen Kirchenfeste des Winters sind vorüber. Das erste derselben das Weihnachtsfest, wird zwölf Tage später als das unsere und eigentlich nur in der Kirche gefeiert und ist nicht durch Lichter und  Kinderjubel verschönt wie bei uns. Die deutschen Christbäume leuchten nur in einigen mit der Fremde bekannten Familien. Dennoch schmücken auch hier einige liebliche Gewohnheiten das Fest. Sobald der erste Stern erscheint und die Glocken das Ende des Fasttags und das Nahen der heiligen Nacht verkünden, bricht man in allen polnischen Häusern die geweihten Oblaten, theilt sie mit den Verwandten und Freunden und begrüßt sich gegenseitig mit Glückwünschen. Ein Festmahl ist bereitet aus Fischen und süßen Speisen und Heu und Stroh ist unter das Tischtuch gebreitet, zur Erinnerung an das erste Lager des Christkindes, dessen Geburt um Mitternacht von allen Glocken verkündigt und durch Messen in allen Kirchen gefeiert wird.

Diesem heiligsten Feste folgt das der Taufe des Herrn, am 6. Jan.,  das durch die Einsegnung aller Gewässer im Reiche gefeiert wird. Wir fuhren, die Ceremonie mit anzusehen, an das Ufer des Teterew. Es war ein kalter heller Wintertag. Alle Wege, die zum Flusse führten, alle beschneiten Höhen an beiden Ufern waren mit Menschen bedeckt; Kinder saßen da und dort auf dem kahlen Aesten der Bäume; die Helme der Militärs, die bunten Festkleider der Bürger und Bauern glänzten in der Sonne. Das dichteste Gedränge fand auf dem gefrorenen Flusse selbst statt, in dessen Mitte unter einem Tempel aus Tannenzweigen der Bischof eben den Segen ausgesprochen und die Form des heiligen Kreuzes in die Eisrinde geschnitten hatte. Als wir kamen, war die Ceremonie schon zu Ende; die Procession kehrte zurück; voran schritt der Bischof, ein ehrwürdiger Greis, mit langem weißen Barte in prachtvoller Kleidung, auf dem Haupte eine hohe, mit Edelsteinen besetzte Mütze; ihm folgten viele Priester in Gold- und Silbergewändern, mit langen Bärten und langem über die Stirn gescheiteltem Haar, einige mit farbigen, andere mit schwarzen hohen Mützen, andere in bloßem Haupt; es waren Greise und junge Männer und Alle Modelle zu den verschiedensten Apostelgestalten. Das Crucifix glänzte in ihrer Mitte, Kirchenfahnen wehten und Standarten mit in byzantinischer Weise gemalten Heiligenbildern und Christusköpfen ragten hoch über die Menge empor, die Psalmen singend den Berg hinanzog. Der größte Theil des Volks aber drängte sich zu jener geweihten Stelle auf dem Flusse, wo das emporquellende Wasser schon das Zeichen des Kreuzes zu überfluten begann. Erwachsene und Kinder, Bürger, Bauern, Soldaten, Alle kamen mit Krügen, Flaschen, Töpfen, um das geheiligte Wasser zu schöpfen, das sich jahrelang frisch erhalten soll. Jeder wollte zuerst zur Stelle, als fürchte er, der Fluß könne ausgetrunken werden; mit Heftigkeit leerte man die Krüge, als sei man durch die quellenlose Wüste gewandert. Hier bot Einer dem Andern seinen Krug; die Aeltern setzten ihn an die Lippen kleiner Kinder, und Alle, die sich an dem eisigen Wasser sattgetrunken hatten und heimkehrten mit Tannenreisern und gefüllten Gefäßen, sahen so fröhlich aus, als hätten sie aus der Quelle der ewigen Jugend geschöpft.

3.

Zytomierz, Ende Februar

Doch nicht blos von kirchlichen, auch von weltlichen Festen kann ich euch erzählen, denn wir haben als Zuschauerinnen schon mehren Bällen des Adelscasino beigewohnt und uns von unserer Loge aus an dem bunten Schauspiel amüsiert, an der Leidenschaftlichkeit, in welcher Alle – Junge wie Alte – von den rauschenden Klängen der Mazurka fortgerissen werden, welche den Greisen im Silberhaar und den Damen, deren Frühling seit langem verblühte, noch einmal Jugendgefühle gibt. Beim bloßen Zuschauen fühlten wir das Entflammende, Aufregende dieses Tanzes, der so ganz den polnischen Nationalcharakter ausdrückt. 

Die Leidenschaftlichkeit dieses Charakters zeigt sich auch beim Kartenspiel, welches den männlichen Theil der Gesellschaft Nächte durch an die grünen Tische fesseln und ganze große Vermögen oft in einer solchen Nacht fast dämonisch zerstören soll.

Das Haus hier ist ein sehr geselliges; wöchentlich einmal gibt uns eine  Soirée dansante Gelegenheit, mehr und mehr mit der hiesigen Welt bekannt zu werden. Wir sind überrascht, in dieser fernen Provinzialstadt eine so auserwählte, gebildete und elegante Gesellschaft zu finden, die während des Carnevals immer zahlreicher geworden ist, da fast alle vornehmen Familien dieser und auch der benachbarten Provinzen sich wenigstens für einige Wochen hier etabliren. Auch die in der Gegend  einquartierten höhern Offiziere kommen dann und wann mit ihren Familien und vermehren den militärischen Theil der Gesellschaft. Es ist in ihr ein ewiges Kommen und Gehen, eine stete Bewegung und Verwandlung fast wie in einem Badeort. Da weder Politik noch Theater und Ober Gesprächsgegenstände bieten können, so bewegt sich die Unterhaltung im Allgemeinen nur um die flüchtigsten Interessen des Tages. Doch wehen auch manche frischen Winde, und mancher  Genuß, den poetische und musikalische Talente oder geistreiche Gespräche geben, läßt ein Echo in der Seele zurück. Die Polen, aus denen der größte Theil der Gesellschaft besteht, besitzen jene angenehmen äußern Formen, jenen Hauch von Vornehmheit und Eleganz, die Frauen jene liebliche Grazie, die Männer jene ritterliche Artigkeit, die der Geselligkeit so besondern Reiz verleihen. Auch die russischen Offiziere, theils Deutsche aus den Ostseeprovinzen, und ihre Damen sind durch Bildung und gesellige Formen angenehme Gesellschafter. Die Meisten sind nur momentan, Viele erst seit kurzem hier. Alle kennen mehr von der Welt als den kleinen Schauplatz, der sie eben umgibt. Die Polen sind großentheils Touristen und können von halb Europa, die militärischen Herren und ihre Damen wenigstens von den verschiedenen Gegenden des großen russischen Reichs erzählen, in dem sie hin- und herziehen. Man wird durch ihre Schilderungen mit den Wundern von Petersburg und Moskau, mit den Schönheiten des fernen Kaukasus und mit den italischen Reizen der Krim vertraut. Alle diese vielgewanderten Menschen  haben etwas Beflügeltes in ihrem Wesen: gewohnt das Leben leicht zu nehmen, den Schaum der Dinge flüchtig zu genießen, haben sie alles Schwerfällige abgestreift und verleihen der ganzen Geselligkeit eine gewisse Frische.

Die ausgezeichnetsten Erscheinungen in der Gesellschaft sind, auch abgesehen von ihrem hohen Range, der Fürst Wassiltschikow und seine Gemahlin. Fürst Wassiltschikow, der Generalgouverneur von Volhynien, dessen einfaches, ernstes, mildes Wesen jedes Herz gewinnen muß, wird von allen Bewohnern der Provinz, allen Ständen und Nationalitäten mit Dank und Verehrung genannt, während seine schöne geistreiche Gemahlin wie ein heller Stern nicht blos in den geselligen Kreisen, sondern auch in den Hütten der Armen leuchtet. Beide geben einen höchst günstigen Begriff von der  Liebenswürdigkeit und Bildung der russischen  Aristokratie.

Das Interessanteste aller Ballfeste war der von der Fürstin Wassiltschikow arrangirte Bal costumé, der die ganze Provinz in Aufregung versetzte und  lange vor- und nachher alle Gespräche erfüllte. Er bot ein glänzendes Schauspiel durch die malerischen prächtigen Toiletten und die Masse von Diamanten, mit denen Haare und Gewänder übersäet waren, sodaß manches liebliche Wesen einer mit Thautropfen bedeckten Blume glich. Die Fürstin Wassiltschikow, die mit künstlerischem Geiste das Ganze geordnet, die Paare und Costüme bestimmt hatte, machte in ihrer Beduinentracht, die so ganz mit ihrer und ihres ähnlich costümierten Cavaliers pikanter Schönheit harmonirte, einen Eindruck so voll  Poesie und charakteristischer Wahrheit, daß man sich beim Anschauen wie vor einem Bilde von Horace Bernet fühlte und im Hintergrunde die ganze Wüste mit Palmen und Karavanen erblickte. Nächst ihr war die lieblichste Erscheinung Alexandrine von R., als Bergère in weiß und rosa Atlas mit Rosen im Haar, mit Schäferhut und Stab – selbst eine morgenfrische Rose.

Häufig finden in der Gesellschaft dramatische Vorstellungen statt. Es werden zum Besten von Armen russische, polnische und französische Stücke vortrefflich aufgeführt, wiederum unter der liebenswürdigen Intendanz der Fürstin Wassiltschikow, welche mit Grazie und künstlerischer Begabung selbst manche Rolle spielt.

Ergötzlich ist es, Vorstellungen der öffentlichen Theatergruppe oder öffentlichen Concerten durchreisender Virtuosen unterster Klasse beizuwohnen, weil man bei solcher Gelegenheit die heitere Leichtigkeit, mit der die  Slawen das Leben erfassen, ihre unzerstörbare Laune, ihre Fähigkeit, in jeder Blume Honig zu finden, so recht kennen lernt. Diese vornehmen, eleganten, selbst künstlerisch gebildeten oder mit den Kunstgenüssen großer Städte bekannten Personen hören mit fröhlicher Bonhommie den schlechtesten Productionen zu, applaudiren aus Güte oder Scherz, amüsiren sich über Alles: über die Mistöne, die düstern kalten Räume und über sich selbst, die in ihnen Unterhaltung suchen.

Endlich hat die Stille der Fastenzeit all diesen Freuden ein Ende gemacht. Auch der Winter bereitet sich zum Abschied. Schon ergraut der Schnee; schon haben wir eine Lerche gehört, die, hoch über den weißen Feldern schmetternd, das Nahen des Frühlings verkündigt, der heute in zarten flockigen Wölkchen herunterzuschweben scheint, willkommen wie ein lieber lang verlorener Freund. Bald wird er seine goldenen Pfeile wider die Eisdecke der Gewässer richten, bald wird er uns Quellen, Blumen und Vögel, Hoffnungen und Träume, alle süßen Jugendgefühle wiedergeben.

4.

Zytomierz, Anfang Mai

Diese letzten zwei Wochen glänzen wie ein helles Kleinod in meiner Erinnerung: die neuerwachten Frühlingsfreuden und die rührenden kirchlichen Feierlichkeiten vereinten sich, um aus ihnen ein so harmonisch schönes Ganze zu bilden, daß es mir schwer scheint, es wieder in Details aufzulösen und davon zu erzählen. Kaum weiß ich, ob ich zuerst von den Gärten und Thälern voll Blumen und Vögelgesang oder von den Kirchen voll Weihrauchduft und Orgelklang reden soll. Eins gehörte zum Andern und verschönerte und heiligte das Andere, und der beseligende Gedanke der Auferstehung war hier wie dort lebendig.

Acht Tage vor der Osterwoche beginnen die Vorbereitungen, welche der Abbé D. im Kloster für einen großen Kreis von jungen Mädchen und Kindern hält. In früher Morgenstunde versammeln sich Alle am Bergrand vor dem Kloster und erwarten das Kommen des ehrwürdigen Lehrers. Alles sieht heiter und poetisch aus: der blaue Fluß zu unsern Füßen glänzt in der Morgensonne, das junge Grün schimmert auf den nahen und fernen Bergen und goldiges zartes Laub an manchen Bäumen. Ueber uns singen Lerchen, unter uns in den knospenden Eichen Pirolen und Amseln. Die Kinder pflücken Blumen auf dem Berghang und überall zwischen den dunkeln Stämmen schimmern ihre hellen Gewänder. Alle die Zerstreuten vereinigen sich, als der Abbé aus der Pforte seines nahen kleinen Hauses tritt, und Kinder und Erwachsene eilen ihm mit frohen Grüßen entgegen. Der ehrwürdige Greis mit dem gütigen Lächeln und heitern Antlitz unter spärlichem Silberhaar ist im Einklang mit dem Frühlingsmorgen und die ganze Umgebung erscheint geheiligt durch seine Erscheinung. Alle folgen ihm ins Kloster, wo er im Saale der Priorin die religiösen Uebungen und Prüfungen hält. Diese Vorbereitungen dauern bis Ende der Woche, wo die meisten dieser jungen Mädchen mit den Nonnen vereint am heiligen Mahle theilnehmen und auch die Kinder ihre ersten Beichten halten. Es ist ein rührender Anblick, wenn der ehrwürdige Priester im weißen Gewande sein silberhaariges Haupt zum blonden Lockenköpfchen eines kleinen Mädchens neigt, das, im Beichtstuhl kniend, ihm ihr kindliches Bekenntniß zuflüstert. Es ist wie ein Bild vom guten Hirten, der auch für das Kleinste seiner Heerde liebend sorgt.

Die Blumen und Kerzen auf dem Altar unter dem schönen Abbild unserer Sixtinischen Madonna, die kleinen Chorknaben, welche weiße Opfertücher halten, die gleich hellen Wolkenstreifen zwischen Priester und Knienden schwanken, der Gesang der Nonnen, die Andacht und Rührung der Kinder – Alles ist so schön poetisch wie ein Traum aus einer anderen Welt.

Auch in den übrigen katholischen und in den griechischen Kirchen finden wochenlange Vorbereitungen für die heiligste Feier statt, vor welcher Familienglieder und Bekannte sich gegenseitig um Vergebung bitten und nach welcher sie sich mit freudigen Glückwünschen begrüßen. Die russischen Dienstleute sind unermüdet im Besuche dieser täglichen stundenlangen Vorbereitungen und bei aller sonstigen Eßlust und Gourmandise äußerst streng in der Beobachtung der langen Fasten, die ihnen nur Brot und in Oel gekochte Gemüse und Fische zur Nahrung gestatten. In der Osterwoche werden täglich in den katholischen Kirchen die uralten Lamentationen gesungen, in denen das Weh der ganzen Welt widerzuklingen scheint.

Am Charfreitag ist das Tabernakel unter Blumen, Zierath und Kerzen ausgestellt, ein bunter, nicht zu der heiligen Trauer des Tages stimmender Eindruck. An den Kirchthüren wird von je einer Dame und einem Herrn aus der Gesellschaft für die Armen gesammelt.

Sonnabend  Nachmittag wird die Sventzone oder Pasqua im größten Zimmer des Hauses aufgestellt und von einem Priester gesegnet und mit Weihwasser besprengt. Dies Ostermahl mit seinen eigenthümlich nationalen Fleischspeisen und Bäckereien, mit den hohen Torten (babas), auf denen Osterlämmchen thronen, mit seinem Schmuck von Blumen und grünen Zweigen, bleibt während der Feiertage in allen Häusern stehen und ladet jeden Besuchenden zum Genuß. Um Mitternacht ertönen alle Glocken und rufen zur Auferstehungsfeier, die in allen Kirchen gehalten wird und in den russischen Gotteshäusern, wo sich die Geistlichkeit in aller Pracht und Militär und Beamte in besten Uniformen versammeln. bis zum Morgen dauert. In der Frühe des ersten Feiertags beginnen die glückwünschenden Besuche, die man seinen Vorgesetzten und allen Bekannten nothwendig abstatten muß, sodaß für Viele diese Feiertage beschwerliche Arbeitstage sind. Der Ostergruß: „Cristos woskres!“ („Christus ist auferstanden!“) durchtönt die Straßen und Häuser. Vornehme und Geringe, Freunde, Verwandte, Diener und Herren begrüßen sich mit dem Rufe und küssen sich gegenseitig mehrere male auf beide Wangen. Auch seinen Untergebenen und Dienern gibt der russische Herr an dem Tage der Freude den Bruderkuß. Alles scheint in Liebe und Glück verbunden. Nicht blos Küsse, auch Geschenke werden ausgetheilt. Diener und Dienerinnen bringen am Morgen mit dem Gruße „Cristos woskres“ buntbemalte Eier und erhalten Bänder, Tücher oder Geld als Gegengeschenk. Auch die Vornehmen beschenken sich gegenseitig mit Eiern, die oft schön bemalt und verziert sind. Mit den nächsten Bekannten theilt und ißt man Eier unter gegenseitigen Glückwünschen, sowie man zu Weihnachten die geweihten Oblaten zusammen genoß.

Die ganze Stadt hat ein festliches Ansehen, da dieses Jahr auch die Juden zu jetziger Zeit ihr Passahfest haben und ihre Läden geschlossen halten und geputzt umhergehen. Ueberall erblickt man bunte helle Kleider, die Bauern tragen ihre besten Kaftans, die Bauernmädchen haben ihr Haar mit Blumen geschmückt und mit ihren besten bunten Bändern, die lang über den Rücken herabhängen. Die Goldhauben und Ketten der Jüdinnen, die Helme und Uniformen der Offiziere glänzen in der Sonne, die kleinen schnellen Droschken und die reichen Equipagen rollen unaufhörlich durch die Straßen, die heute in ungesehener Reinheit glänzen. Am zweiten Feiertag beginnen die Volksbelustigungen, welche die ganze Woche hindurch fortdauern. Auf einem freien Platze vor der Stadt ist ein buntes Gedränge; Schaukeln fliegen empor, andere schwingen sich wie Räder im Kreise. Hackbret und Geigen klingen in unmelodischen Tönen; auf den Tanzplätzen drehen sich die Mädchen und Burschen in ihren eigenthümlichen Nationaltänzen, für die sie wenig Raum brauchen, da sie meist in Springen und  Umdrehen auf einer Stelle bestehen. Krüge mit Kwas und Branntwein gehen von Einem zum Andern; auch Nüsse, Aepfel, Orangen, braune Pfefferkuchen und harte weiße Bretzeln werden an vielen Tischen verkauft, an andern würfelt man und gewinnt Glasperlen, Bänder, Spiegel und Zuckerwerk. Die Bauern und Bäuerinnen der Umgegend legen ihre braunen und grauen Kaftans auch beim Tanzen nicht ab; die lustigsten Tänzer sind die Jemtschiks, die großrussischen Fuhrleute, von weit hierhergekommen, deren rothe oder rosa Hemden über schwarzsammeten Unterkleidern von den dunkeln Kaftans der Andern abstechen; fröhliche frische Gesichter  wie sie zeigen die großrussischen Bäuerinnen, die man hier und da in schönen hellseidenen Jacken oder Kassawaikas, weiten Röcken und bunten Kopftüchern unter der Menge sieht; sie Alle und ihre Männer sind meist blond und blauäugig und haben ein deutsches Aussehen, während die volhynischen oder podolischen Bauern mit dunklern Augen und Haar, weniger frischer Gesichtsfarbe und weniger heiterm offenen Ausdruck mehr den Böhmen und Ungarn gleichen.

Aber nicht blos in Kirchen, Häusern und Straßen war es festlich; die ganze Natur erschien gehüllt in Frühlingsduft und Sonnenschein und gerade in diesen Tagen erblühten uns ungeahnte Schönheiten in der Gegend. Nicht blos Blumen und Gräser, sondern Wälder, Thäler, Felsen, Wasserfälle, deren Dasein die dichte Schneehülle verborgen hatte, erstanden plötzlich im neuen Sonnenschein und verwandelten die Welt die uns umgibt. Am schönen Ostersonntag stiegen wir zum ersten mal von der Bergfläche, auf der die Stadt sich ausbreitet, durch den knospenden Eichenhain hernieder ins reizende Thal des Teterew, das wie ein geöffnetes Paradies vor uns lag. Sanftgewellte Berge mit grünen Abhängen, waldigen Schluchten und Felsenvorsprüngen ziehen sich zu beiden Seiten des Flusses hin, der kleine Inseln und Felsenblöcke umrauscht und höher oben mit glänzenden Schaumwellenüber ein breites Wehr sich stürzt. Grüne Hütten sind auf den Höhen und am Ufer zerstreut, Kähne gleiten über die Wellen; von den Bergen rechter Hand sieht man die Thürme der Stadt schimmern und näher am Abhang erheben sich die großen Gebäude des Klosters; Mühlen, Felsenblöcke und alte Weiden schmücken hier und da die Ufer; das Thal erscheint so lieb und wohlbekannt wie alles Schöne. Wir überblicken es von der Höhe eines Abhangs, auf dem Veilchen und Primeln blühen, und sehen dahin wie auf ein neugeschenktes Reich. Unsere Augen folgen den Windungen des blauen Flusses, der sich rechts, mit der ihm entgegenschäumenden Kamionka verbunden, in ein neues waldiges Felsenthal verliert und links zwischen sonnigen Höhen hinzieht, auf denen kleine Dörfer und junge Saaten schimmern. Weiden und Birken lächeln im ersten goldigen Grün, Ziegen klettern auf den Höhen und suchen Frühlingskräuter; am Ufer und auf den Bergpfaden leuchten die hellen Kleider vieler Spaziergänger. Aus der Stadt tönen Vesperglocken, aus der Luft Gesänge der Lerchen und vom Flusse leise Ruderschläge.  – Alles ist froh im Frühlingssonnenglanz und geheiligt von der Feiertagsruhe. Es war Festtag – Auferstehungstag – auch wir neugeboren mit der neugeborenen Welt – „Hoffnung und Glück im Thal“ und in unsern Herzen!

 

5.

 Zytomierz, vom Mai bis Juli

Alle Herrlichkeit, die uns eben umgibt, umhaucht, umtönt und heute und seit vielen Wochen glücklich macht, möchte ich euch in diesem Briefe schicken, alle Worte damit durchdringen, um euch eine Idee von diesem russischen Mai zu geben, der so schön ist wie unser deutscher.

Schon im Winter ahnten wir die Reize dieser Gegend, aber nun sie der Frühling wirklich erweckt hat, übertreffen sie alle unsere Erwartungen und wir sind ebenso freudig erstaunt, wie wenn ein Mensch, mit dem wir lange in gleichgültigem Umgang lebten, uns auf einmal seine Seele und in ihr einen ungeahnten Reichthum von Poesie und Liebe eröffnet.

Ganz wunderbar hat sich die Gegend verwandelt und ohne den Ort verlassen zu haben, sind wir plötzlich in ein kleines Paradies versetzt. Schon die nächste Umgebung bietet tausendfache Schönheit: aus den Zimmern treten wir in den Garten voller Blütenbäume und Blumen, mit denen das dunkle Buchengrün der Thalschlucht contrastirt, die diesen Garten begrenzt und uns wenige Schritte vom Hause die erquickendste Waldeinsamkeit bietet. Hier ist das Reich der Nachtigallen und vom Abend bis zum Morgen hören wir dies tausendfache Tönen voll Lust und Sehnsucht. Die Nächte sind so still und lau, daß wir oft, von Sternen und Nachtigallen gefesselt, bis nach 12 Uhr im Garten bleiben, dessen Blüten im Mondlicht wie Silber schimmern. Mit dem Duft dieser Blüten mischt sich der der Birken und Pappeln, er dringt aus dem Garten in die Zimmer und man fühlt auch da den Frühling. Nicht blos unsere Wohnung, sondern fast alle Häuser der Stadt umgibt er mit seiner Schönheit: die hohen Pappeln und sanftgeneigten Birken, die alten Linden und Kastanien, die Obstbäume und Akazien sind nun mit Laub geschmückt, beschatten die niedern Dächer und bestreuen sie mit Blüten; Blumen duften auf allen Perrons; überall grünen Gärten, Waldvögel singen mitten in der Stadt; Regen, Wind und Sonne haben die Straßen gereinigt und getrocknet; selbst in die elenden Judengassen dringt etwas von den Düften und Tönen, und die ärmste Hütte hat der Frühling umarmt.

Da die Stadt auf einer von Spalten und Rissen durchbrochenen Bergfläche erbaut ist, so gehen viele Häuser, die an einer öden häßlichen Straße liegen, von der Rückseite auf eine Berg- oder Waldschlucht oder auf ein liebliches Thal. Diese Schluchten und Thäler sind in kleine Gärten verwandelt, die mit ihren Blumenterrassen, ihren Quellen und Lauben, ihren Bienen und Vögeln und den alten Bäumen, die das junge Blütenleben überschatten, wie verborgene Paradiese mitten im Treiben der Stadt liegen. Bei Spaziergängen in der Nähe und Ferne wird man an die Neckar-, Lahn- und Nahegegenden erinnert; Alles ist anmuthig lächelnd  wie dort. Von allen Punkten im Thal und auf den Höhen sieht man das Elisabethinerkloster mit seinem weißen Gemäuer, seinen Kuppeln und seinem hohen Thurm weithin in der Sonne glänzen. Wir gehen gern in seiner Nähe spazieren, freuen uns der Aussicht auf den hellen Fluß und die Waldberge gegenüber, freuen uns an der Lust der armen Pflegekinder des Klosters, die auf dem Rasen spielen, und an dem Wohlbehagen, mit dem einige halbgenesene Kranke im warmen Sonnenschein spazieren, freuen uns vor allem an den Nonnen selbst, von denen einzelne hin- und hergehen mit den freundlichen stillen Gesichtern, welche die großen weißen Hauben nicht ganz verbergen.

Viele Pfade führen von hier zwischen den Eichen und Buchen, die den Berghang bedecken, hinab zum Fluß, der kleine Fischerkähne trägt, dann und wann über ein Wehr schäumt und weiterhin die Kamionka aufnimmt, einen zweiten glänzenden Fluß, der zwischen Tannenhügeln hervorstürzt und an dem ein Theil der Stadt in malerischer Unordnung liegt. Wir aber gehen dem Teterew nach bis ins enge kühle Felsenthal, aus welchem er, von seiner fernen Quelle kommend, hineinrauscht in die offenere Gegend. Felsentrümmer ruhen in seiner Mitte, von den klaren grünen Wellen umspült und von Birken überhangen, die aus den Spalten hervorgewachsen sind.  Zu beiden Seiten steigen die Felsen empor, wild zerklüftet und dunkel das Wasser beschattend, das dicht an sie heranrauscht. Alles ist so einsam, still und kühl und man denkt sich im Thal der Genoveva oder Curyanthe.  Auch oben am Rande der Felsen ist es schön zu gehen; hier am ersten Vorsprung sehen wir das ganze heiter belebte Thal vor uns liegen, die sonnigen Berge, das Kloster auf grüner Höhe und die hellen rings verstreuten Häuser, und wenige Schritte weiter finden unsere Augen nur die einsamen Felsen, die Schluchten voll Tannen und Birken und tief unten den Fluß so dunkelgrün im Felsenschatten.  Wir athmen entzückt die Wald- und Bergluft ein und den Duft des Thymian und der weißen Blüten der Clematissträucher, die auf den Abhängen wachsen, und vergessen Alles, was nicht rein und frisch ist wie die Welt, die uns umgibt.

Ebenso reizend ist es, auf der anderen Seite der Stadt den Windungen des Teterew bis zu den fernen blauen Bergen zu folgen. Auch da geht man in einem stillen kühlen Thale zwischen sanftruhenden Bergen mit Birkenwäldern geschmückt, deren Frühlingsschönheit unbeschreiblich ist. So luftig streben die weißen glänzenden Stämme zum Himmel empor, so lieblich senken sich die hellbelaubten Zweige zur Erde. Viele dieser anmuthigsten Bäume des Waldes stehen in einzelnen Gruppen auf den Abhängen, zueinandergeneigt und flüsternd wie fröhliche Kinder. Da und dort schimmert ein Dörfchen aus dem Waldgrün hervor; nur selten gleitet ein Fischerkahn über die Wellen, die Menschenstimmen sind verstummt; aber die Natur ist laut in tausend Klängen: die Lüfte scheinen von Gesang belebt und aus den Tiefen der Wälder dringen die süßen Töne der Nachtigallen. Auch das Wasser ist voll Leben: auf seiner Oberfläche blitzen gleich tausend Silberfunken oder Sternen die Köpfchen der Fische, die neugierig in die Sonne schauen. Tiefer in den Bergen mischen sich dunkle Tannen mit dem zarten Grün der Birken und dazwischen schimmern die weißen Blüten der wilden Birnbäume und man geht dahin ganz berauscht von Düften und Tönen.

Der Mai, der Marienmonat, ist hier wie in allen katholischen Ländern eine festliche Zeit: täglich finden in den Kirchen Processionen und Predigten zu Ehren der heiligen Jungfrau statt und jeden Abend ruft das Avegeläute zu feierlichem Gottesdienst. Aber auch in anderer Weise feiert man den schönen Blütenmonat:   Alles gibt Maienfeste im Freien, „Maijusken“ genannt. Da ziehen gegen Abend die Geladenen zu Pferde und Wagen nach irgendeinem nahen Wald oder Berghang, wo sie die Wirthe empfangen, wo Zelte aufgeschlagen, Teppiche auf den Rasen gebreitet, Tische, Sessel und reiche Erfrischungen bereit sind. Musik klingt durch den Wald und bald schweben viel anmuthige Gestalten in hellen Gewändern  durch das dunkle Grün. Da und dort lagern Gruppen unter den Bäumen, heitere Paare wandeln in der Einsamkeit auf  entfernten Pfaden; die Jüngsten machen Spiele; Reifen und Ball fliegen durch die blaue Luft; Alles ist voll Scherz und Lust. Am Abend blitzen bunte Lampen von allen Bäumen und werfen magische Helle auf die nächste Umgebung, während die Ferne mit Bergen und Wäldern im sanften Dämmerlichte des Mondes wie ein Traumland ruht. Raketen sprühen auf, Leuchtkugeln steigen empor und sinken nieder, wie zurückgewiesen von den Sternen, zu deren Nähe sie strebten.

Auch einfachere Maienfeste werden gefeiert: fast auf jedem Spaziergang sieht man fröhliche Gruppen von Bürgerfamilien da und dort auf dem Rasen am Flusse oder am Waldrand gelagert; der Samovar dampft in der Mitte, Körbe voll Kuchen und Früchten werden ausgepackt; Jeder genießt und freut sich des Lebens; Lieder im schönen Laute der polnischen Sprache, oft mehrstimmig gesungen, verkünden von weitem die heitere Stimmung der Gesellschaft. So sucht sich jeder selbst seinen Lustort da, wo es ihm eben gefällt, und diese improvisirten Vergnügungsplätze mitten in der frischen fröhlichen Natur haben Reize, die man an unseren öffentlichen Cafés und Concertgärten voll Lärm und Gedränge nicht kennt.

Eine andere gesellige Vereinigung bieten die von der Fürstin Wassiltschikow arrangirten Cavalcaden. Es ist eine Lust, daran theilzunehmen. Alles versammelt sich in den Salons und der grünen Veranda der Fürstin; nach kurzer Weile eilt man zu Roß und Wagen. Die Reiter und Reiterinnen sprengen voran; die Equipagen folgen und vergrößern durch ihr vielfaches Gespann den Zug, den die Diener und Grooms beschließen. Es ist ein bunter fröhlicher Anblick durch die eleganten Toiletten der Damen in den Equipagen, die reichen Uniformen der Offiziere und vor allem durch die schönen Reiterinnen, deren schönste die Fürstin Wassiltschikow ist, die, immer dem Zug voran, auf ihrem schwarzen Araberroß über die Ebene fliegt, bergauf bergab über Gräben und Hecken eilt, Alles mit so lieblicher Anmuth und so glänzendem Ausdruck der Freude im sonnigen Antlitz. Es ist wie eine Erscheinung aus einem Persergedicht oder einem orientalischen Märchen. Man zieht durch die Wiesen und Felder, dann durch dunkeln Tannenwald zum schönen Thale der Kamionka, dem frischen Bergfluß, der über Felsenstücke rauscht und da, wo sich das Thal erweitert, einen kleinen See bildet, dessen Silberfläche Tannenwälder umschließen. Auf einer Stelle des felsigen Ufers steht ein freundliches Landhaus im Schatten uralter Linden; eine Mühle liegt im Grün versteckt am Wasser und das Geräusch ihrer Räder unterbricht allein die Stille. Die Hügel zu beiden Seiten sind mit lichtgrünen Birken und Eichen und dunkeln Tannen bedeckt und unter den Bäumen blühen rothe Nelken und wilde Maiblumen in Fülle. Wir ersteigen einen dieser Hügel und blicken von oben weit ins Land hinein, im Westen auf zerrissene Berge und Waldschluchten und im Osten auf eine Ebene, die sich mit maiengrünen Feldern und Wäldern bis in weite Ferne ausdehnt wie ein smaragdenes Meer, in dem die einzelnen Hütten und Dörfer wie weiße Segel in der Sonne schimmern. Viele Wege und Pfade winden sich durch das Grün und nahebei führt die große Landstraße nach Warschau, der meine Blicke folgen bis wo sie sich im Gold und Purpur des Abendroths verliert.

Weiter geht es dann zu Roß und Wagen durch Wälder, Berge, Felsenthäler, über kleine Flüsse und Waldbäche, auf ungebahnten Wegen, immer folgend der schönen unermüdeten Führerin.  Hier und da liegen kleine Hütten, und erstaunt blicken ihre armen Bewohner dem Zuge nach, der plötzlich wie ein glänzender Traum durch ihre stille Welt zieht. Die Abendröthe  durchdringt den Wald und fließt wie ein Purpurstrom zwischen den dunkeln Stämmen; von einer Kapelle auf der Höhe klingt das Aveglöckchen gleich einem Engelsgruß hernieder. Endlich öffnen sich die Waldhügel vor uns, jenseits des Flusses auf Felsen und Bergen liegt die Stadt mit durcheinandergestreuten Häusern, Gärten und Baumgruppen, mit den weißen hohen Thürmen der katholischen, und den grünen Kuppeln der russischen Kirchen – ein malerisch schöner Anblick. Den Fluß, der sich unten um die Felsen windet, beleben Fischerkähne und badende Kinder. Auf einer niedrigen Stelle gehen Equipagen und Pferde hinüber und selbst die engen Judenstraßen, durch die wir in die  Stadt eindringen, sehen luftig aus im Abendsonnenschein. Die elenden Häuser, die Gruppen vor den Thüren, die spielenden Kinder, die strickenden Frauen, die handelnden Männer – Alles ist verschönert durch die Rosenfarbe des Abends.

So ist schön und flüchtig der Frühling vorübergezogen; jede verschwindende Freude wurde durch eine neue ersetzt; den Blüten der Obstbäume folgten die des Hollunders und Jasmins; dann glühten die Rosen in tausendfacher Pracht; nun duften die Weinreben, die unser Haus umranken, und die Linden in allen Gärten der Stadt. Auch die Geselligkeit hat sich mit neuen Freuden geschmückt: Ende Mai versammelten die Electionen, die Wahlen der Adelsmarschälle, den größten Theil des Adels dieser und der Nachbarprovinzen in unserer Stadt.  Von allen Seiten kamen die schwerbepackten Reisewagen herbei; alle Wohnungen der Stadt wurden in Beschlag genommen  und theuer bezahlt. Schneider, Putzmacherinnen und Köche waren vielbeschäftigt. Man glaubte sich durch die Menge der Equipagen, Reiter, Fußgänger und schnell improvisirter großer Kaufgewölbe plötzlich in eine große Hauptstadt versetzt. Feste reihten sich an Feste und das Interesse für diese vermischte sich mit dem für die Wahlen der neuen Marschälle, Präsidenten u.s.w.

An einem dieser schönen Morgen zogen die wählenden Herren in ihren Adelsuniformen in die katholische Kirche, wo Messe, Rede, feierliche Eidesleistung vor dem Generalgouverneur und bei alledem ein großes Gedränge stattfand. Auch in den Wahlsaal blickten wir einmal von der Galerie und hörten die Herren durcheinander rufen, stürmen, Ruhe erbitten, feurige Reden halten, applaudiren, pochen, einer den andern überschreien, sahen sie auf Stühle und Tische steigen und dachten uns dabei lebhaft die alten polnischen Königswahlen und fühlten, daß noch das Blut der Vorfahren in den Adern später Nachkommen rollte. Ebenso stürmisch soll es bei den großen Herrendiners hergegangen sein, die täglich die Wähler vereinigten und bei denen sie in der Wein- und Champagnerbegeisterung schneller zu ihren Beschlüssen kamen als bei den officiellen Verhandlungen.

Die hübschesten Feste waren die im Freien, so z.B. ein Ball, den der abgehende Marschall Hr. v. V. in dem Birkenhain von Dombrowka gab. Die laue Mondnacht, in der man bis gegen Morgen in leichten Kleidern im Freien bleiben konnte, die Lampen, die das duftende Birkenlaub beleuchteten, die Pechfackeln am Eingange und in den Alleen, der helle Glaspavillon, der seinen Lichtglanz weit durch den Garten verbreitete und hinter dessen durchsichtigen Wänden man von fernher die Tanzenden schweben sah, die Musik, die von hier den Wald durchklang, die Gruppen der im Freien Wandelnden und Ruhenden, die geschmückten Tafeln unter den Bäumen, die um Mitternacht die Gäste vereinten, die bunte Fröhlichkeit – durch Lichter, Duft  und Töne belebt – Alles war zauberisch schön!

Auch das Ballfest beim Fürsten Wassiltschikow hatte Haus und Garten zum Schauplatz, beides illuminiert, durch Gäste und Musik belebt und von lauer Nachtluft durchdrungen.

In demselben Garten fanden die von der Fürstin arrangierten Theaterabende statt. Die Bühne war auf einem Rasenplatz zwischen den Bäumen errichtet; die Sitze der Zuschauer umschloß ein grünes Dickicht von Linden, Buchen und Birken, deren einzelne Partien und hervorreichenden Aeste die überall vertheilten Lampen zauberisch beleuchteten. Es war eine italienische Nacht. Die Lampen brannten ruhig, kein Windhauch bewegte das Laub, Musik tönte in den Pausen durch die laue Luft und die Sterne blickten still auf das frohe Leben nieder. Bis nach Mitternacht dauerten diese Feste, schöne unvergeßliche Sommernachtsträume!

Einige mal sind wir in erster Frühe schon auf dem Klosterberg gewesen und haben die Sonne hinter den Waldhöhen aufgehen und die Morgennebel zerstreuen sehen. Auch in späten Abendstunden standen wir dort und sahen den Vollmond über den Bergen schweben und niederschauen auf sein glänzendes Abbild im Flusse.

Bis in die Kirchen ist der Sommer gedrungen; neulich zu Pfingsten waren sie alle in grüne Lauben verwandelt und auch außen die Pforten gleich den Thüren der Häuser und Hütten mit Birken und Ahornbäumen geschmückt.

Ebenso heiter war die Feier des Fronleichnamsfestes. Die Kathedrale auf dem Berge konnte nicht alle Andächtige aufnehmen und eine bunte Menge von Herren und Damen, geputzten Bürgern und Bauern drängte sich auf dem grünen Vorplatz im Schatten der alten Linden; Viele waren unter den Bäumen in Gruppen gelagert, beteten aus ihren Büchern, oder plauderten und genossen mitgebrachte Erfrischungen. Vier Kapellen waren längs der Mauern dieses Vorhofs aus Blumen und Zweigen errichtet und viele Betende knieten darin vor den kleinen Altären. Man hörte den Orgelklang aus der Kirche und mit ihm vermischt das Flüstern des Laubes.  Endlich tönen die Glocken und aus der Kirche kommt die Procession. Unter lateinischen Gesängen ziehen sie von einem Altar zum andern und als die einförmigen ernsten Psalmentöne verklungen sind, als man den Vorhof voll Linden- und Weihrauchduft verläßt, fühlt man sich aus sanftem Traum erweckt und gibt sich ungern von neuem den lauten und bunten Eindrücken des Straßenlebens hin.

6.

Zytomierz, Ende August

Eine Reise nach Podolien und ein kurzer Aufenthalt dort auf dem Lande hat eine neue Abwechselung in unser Sommerleben gebracht. In mehren Equipagen zogen wir durch das sommergrüne Land, das ich zuletzt so ganz anders in der traurigen Winterhülle gesehen hatte. Mit der herrlichen Natur contrastirten die kleinen schmuzigen Judenstädte, in welche nichts von des Sommers Reiz gedrungen war.

Die blauen Seen, die Birken- und Eichenwälder, die ihr schon kennt, hießen uns auch diesmal freundlich willkommen und der Garten empfing uns mit  duftender Rosenpracht. Alle Freuden des vorigen Jahres genossen wir noch einmal in flüchtiger Wiederholung; wir fuhren auf dem See, an den Schilfinseln, den goldigen Nymphäen, den wilden Schwänen vorüber, suchten unsere Lieblingsplätze in den Wäldern auf und fanden uns überall bekannt, wie begrüßt von den Geistern hier verlebter schöner Stunden. Auch in die Nachbarschaft machten wir Ausflüge, an die einsamen waldigen Ufer des Bug, wo der Abendwind im hohen Schilfe seufzt und weiße Wasservögel über die dunkle Fläche gleiten und in die Steppe, wo nur Blumen und Vögel und Schmetterlinge leben und der Mensch sich nur da und dort eine kleine einsame Hütte gebaut hat.

So vergingen die Tage schnell, aber doch war ich froh, als uns das heimatlichere Volhynien wieder umgab mit seinen dunkeln Tannenwäldern, seinen schnellen Flüssen und seiner reizenden Abwechselung von Berg und Thal; denn wie lieblich und fruchtbar auch Podolien ist, doch ermüdet das ewige Einerlei der Seen und Wälder und die Wellenlinie thut wohl nach den immer gleichen Linien der Ebene.

Die vornehmen Bewohner der Stadt setzen ihr fröhliches Sommerleben fort. Bald ist ein enges Felsenthtal, bald ein grüner Berghang der Salon, in dem sich die Gesellschaft versammelt. Ein solches Fest im Freien fand neulich auf dem schönsten Aussichtspunkte der Umgegend statt, auf einem Berge, der den Blick in drei verschiedene Thäler bietet, das eine gebildet von den grünen Höhen, auf denen ein Theil der Stadt und das Kloster liegt und zu deren Füßen der Teterew in lieblichen Windungen hinzieht, das andere von Felsen und Tannengründen umschlossen, und das dritte begrenzt von dunkeln Waldbergen, auf deren einem ein einsamer Kirchhof liegt, dessen Kreuze im Abendlichte schimmern.

Alle diese Sommerfreuden werden durch das schönste Wetter begünstigt; vom April bis jetzt – Ende August – war  ein Tag wie der andere sonnig heiter, alle Nächte lau und sternenklar; häufige kurze Gewitter erfrischen die Luft und die Erde, die noch fast maigrün ist. Auch unser Garten ist noch mit Glanz und Frische geschmückt; die Nachtigallen singen nicht mehr, aber andere Gäste beleben das Thal und wir erfreuen uns an den zierlichen Sprüngen der Eichhörnchen, die zwischen den Buchenästen auf- und niederklettern und die Menschennähe nicht fürchten.

So nahen die letzten Sommertage; es ist mir, als läse ich die letzte Seite in einem herrlichen Buche. Das Buch ist zu Ende – die Zeit ist vorüber; aber Das, was wir darin gelesen, Das, was sie in unsere Seele gelegt hat, bleibt als Nachklang ewig in ihr zurück.

  7.

Zytomierz, vom September bis Anfang November

Nicht von den feuchten trüben Herbsttagen und den melancholischen Stimmungen, die sie begleiten, will ich euch erzählen, sondern wie immer nur von den schönsten Stunden, die ja auch die Erinnerung viel lieber und sicherer festhält als die traurigen Momente. Nach langen anhaltenden Regengüssen kamen die sanften Tage, von denen Uhland singt, wo der Himmel in reinem Blau und die Erde in frischem Grün erglänzt. Wir beginnen von neuem unsere Spaziergänge auf den grünen Bergen und in den stillen Felsenthälern und sehen an dem goldenen Schimmer, der sich schon über die Wälder verbreitet, daß die Zeit vom Frühling bis jetzt doch nicht so kurz war, wie sie uns erschien. Immer entdecken wir neue schöne Punkte in der Umgegend. Neulich folgten wir dem Lauf der Kamionka, die sich unterhalb der Stadt in den Teterew ergießt, und kamen in eine reizende Einsamkeit von Waldhöhen und Felsenklippen, in welcher das rauschende Flüßchen Leben verbreitet; rückwegs war es schön zu sehen, wie es aus der Einsamkeit ins helle Leben hinauszog, wie Häuser und Hütten sich in seiner Flut spiegelten, wie es Fischerkähne trug und lustig die Räder einer Mühle bewegte. Weiterhin umschlingt es die Bergklippe, auf welcher sich die Kathedrale und ein Theil der Stadt erhebt, und wir, die wir jenseits stehen, sehen mit Entzücken das schöne Bild – den dunkeln Felsen über den blauen Fluß, auf den er tiefe Schatten wirft, die hellen Gebäude zwischen dem regenfeuchten Waldgrün, Thürme, Kreuze und Fenster vergoldet vom Abendsonnenglanz, seitwärts Wälder von Tannen, deren Wipfel in Purpur getaucht sind, und ganz im Hintergrunde die Alpenwelt des Himmels – die Wolkenberge  mit weißen, vom Abendroth umglühten Spitzen.

Ein andermal wanderten wir auf der einsamen, wild bewachsenen Fläche der Berge, welche das Teterewthal umschließen. Es war ein düsterer Abend; dunkel lagen die Wolken über der vom Haidekraut  röthlich gefärbten Fläche, auf welcher einzelne Ziegen zwischen den umhergestreuten Felsenblöcken und einsamen Tannen weideten, die ihre schwarzen Arme gen Himmel streckten. Die Wolken senkten sich tiefer und ergossen sich endlich in Strömen und trieben uns über die öde Fläche, die nirgends eine Zuflucht bot; da war ein Rauchwölkchen, das aus einer Tannenschlucht am jenseitigen Abhange emporstieg, eine erfreuliche Erscheinung. Wir folgten ihm nach tief ins Dickicht des Waldes und sahen uns plötzlich vor einer reizenden Einsiedelei, wo uns deutsche Worte begrüßten. Ein biederer Oesterreicher hatte sich dies kleine Paradies mitten unter Wald und Felsen gegründet und bewohnte es mit seiner Frau und zwei  Töchtern, die selbst wie schöne Blumen in der Wildniß blühten. Wir traten in das freundliche nach Schweizerart gebaute Haus und fühlten drinnen den Hauch stiller glücklicher Häuslichkeit und draußen auf den Balconen und hölzernen Galerien den Geist der Romantik und Poesie, dessen Stimme in den flüsternden Tannenwipfeln und im Rauschen des Waldstroms erklang. Der Regen hörte auf und Diamanten glänzten im Sonnenlicht auf allen Tannennadeln und Gräsern. Ehe wir schieden, sahen wir den kleinen Zaubergarten im Thalgrund hinter dem Hause, vom Walde verborgen, mit dessen Dunkel die tausendfache Farbenpracht der Georginen und verschiedenster seltener Blumen und Gewächse gar lieblich contrastirte; kleine Pfade winden sich durch diese glänzenden Blumenwälder, die sich in Terrassen bis zum jenseitigen Berghang emporziehen, zahme Rehe lauschen da und dort am Wege, eine Quelle sprudelt hell aus der Felsenwand, gleitet zwischen den Blumen hin und verliert sich im Gebüsch des Thalgrundes und ringsum blicken die schwarzen Tannen so ernst darein, als bewachten sie den Garten, der wie ein Wunder plötzlich in der Wildniß vor uns erblühte.

Manche schöne Nachmittagsstunden verlebten wir auch jetzt im Herbste auf den Felsenhängen des Teterewthales zwischen duftenden Kräutern gelagert vor den Bergen und Wäldern, und dem silberglänzenden Fluß und dem Kloster auf dem Felsen mit Kuppeln und flachen Dächern, von schlanken Pappeln überragt – Alles leuchtend lächelnd im Sonnenglanz, Alles so unaussprechlich heiter liebewarm wie ein Bild aus dem fernen Süden.

Oft brachten wir ganze Stunden in diesem schönen Felsenthale zu, saßen auf den Steinen am Wasser  und hörten mit Lust sein Rauschen und das Flüstern des Windes in dem goldigen Laube der Birken und den Zweigen der wilden Rosensträucher, deren purpurne Früchte in der blauen Luft glänzen; dann gingen wir weiter in das Thal hinein, dessen Felsen sich bald dicht an den Fluß drängen, bald auseinandertreten und sich mit grünen Matten und Tannenwäldern schmücken, die von den Höhen bis zum Ufer niederziehen. Unsere Einsamkeit wurde selten gestört, da Niemand hier spazieren geht. Nur auf bekannten und gebahnten Wegen fährt man durch das Land und läßt sich nicht von seinen verborgenen Reizen locken. So hatten wir die Welt ganz für uns und theilten unsere Freuden höchstens einmal mit einem Trupp kleiner Gymnasiasten, die mit Schmetterlingsnetzen und grünen Botanikbüchsen über die Berge ziehen und denen gewöhnlich ein Pfefferkuchen- oder Bretzelverkäufer in verführerischer Nähe folgt.

Alle seine Schätze bot der Herbst hier in Ueberfluß. Der Reichthum an Früchten ist unbeschreiblich; nicht alle sind in dieser Gegend gereift; man bringt sie vom südlichen Podolien und von weiter herbei; ganze Wagen voll Melonen und Wassermelonen wurden von den Bauern in die Stadt gefahren und für niedrigste Preise verkauft. Auch Tataren aus der Krim kamen und brachten köstliche dunkelblaue großbeerige Trauben, hochaufgethürmt in kleinen Wagen, vor denen die Männer mit den bräunlichen Gesichertn, den kecken dunkeln Augen und mit unverständlichen Worten um Kaufen luden und das kurze dolchartige Messer aus dem Gürtel  zogen, um die aneinanderhängenden Trauben zu trennen.  

Bei unserern Spazierfahrten kommen wir zuweilen durch deutsche Kolonistendörfer, und ehe man die Herkunft der Bewohner ahnt, fühlt man sich wie in der Heimat, wenn man ringsum die netten weißen Hütten sieht mit bemaltem Gebälk und Fensterläden, mit wohlgehaltenen kleinen Gärten, Blumentöpfen vor den Fenstern und Bänken vor den Thüren, auf denen da und dort ein Alter mit einer Pfeife im Munde, eine Frau mit einem Strickstrumpf sitzt, neben denen kleine reinliche Kinder spielen. Auch im Innern sieht es nett und heimlich aus; im Winkel steht eine buntbemalte Truhe; auf dem Fensterbrett neben den Geranium- und Lavendelstöcken liegt die alte deutsche Bibel und das Gesangbuch. Grüne irdene Krüge und Milchnäpfe stehen auf dem Sims, mit Sprüchen in deutscher Sprache verziert. So sorgsam, wie man diese Andenken aus der Heimat, welche die Urgroßältern einst ins ferne Land mitgenommen haben, bewahrt hat, so treu hat man auch ihre Sprache sich erhalten. Die meisten dieser Hüttenbewohner haben Deutschland nicht gesehen und wissen nur durch Tradition, aus welcher Gegend ihre Vorfahren kamen, und doch sprechen sie noch vollkommen den Dialekt dieser Gegend, sodaß man im ersten Gespräch mit ihnen die Schlesier, Schwaben, Sachsen u.s.w. erkennt.

Auch kleiden sie sich in ihre deutschen Trachten und nicht gleich den hiesigen Bauern, von denen sie ganz gesondert leben, sich nie mit ihnen verheirathen und zu denen sie durch ihren Fleiß, ihre Ordnungsliebe und Reinlichkeit einen auffallenden Contrast bilden.

Auch ihre Religion bleibt ihnen theuer, wie fern sie auch von Kirche und Prediger leben,  und sie gehen meilen-, ja tageweit, um dann und wann einem deutschen Gottesdienste beizuwohnen.

Die hiesigen polnisch-russischen Bauern sehen geistvoller und lebhafter aus als die in Podolien; man sieht wahrhaft edle Physiognomien unter ihnen; auch sind viele von ihnen Schlachtschitzen – Adelige, die durch Armuth zum Bauernleben gezwungen sind.

In den letzten Herbstwochen war die Provinz in lebhafter Bewegung durch die großartige Revue, die bei Bjelo-Zerkiew, dem Gute des Grafen Branitzki, stattfand. Man hat uns viel von den Bällen und Festlichkeiten, zu denen sie Veranlassung gegeben, und von der Gegenwart des Kaisers, die sie verherrlichte, erzählt. Auch Zytomierz hat dieser auf der Durchreise berührt und schon Wochen vorher machte man für diese Ankunft Vorbereitungen, die sehr praktischer Natur  und vortheilhaft für Alle waren: man besserte die Landstraßen aus, pflasterte die Straßen der Stadt an vielen Stellen von neuem, schaffte alle Unreinigkeit fort, reparirte Brücken und Barrièren, gab Häusern und Geländern frischen Anstrich und befestigte auf jedem Dache die vom Gesetze gebotenen, aber hier und da dennoch fehlenden Feuereimer. So traut man dem Auge des Herrschers eine wunderbare Kraft zu, bis in die verborgensten Winkel zu schauen und alle kleinsten Mängel zu entdecken. Lange vor dem Tage, an welchem man seine Ankunft erwartete, zogen zahllose Menschen an der Straße hin und her, auf der er kommen mußte, viele nur um das Angesicht ihres verehrten Zaren zu sehen, ihres „Väterchens“, wie ihn die Bauern nennen, eine große Zahl auch, um Bittschriften darzureichen.

Viele alte Frauen, die solche übergeben und den Augenblick der Ankunft nicht versäumen wollten, hatten sich ganz häuslich am Wege niedergelassen, ruhten des Nachts auf Kissen und Decken unter freiem Himmel trotz der feuchten Herbstluft und strickten am Tage auf ihrem Posten. Auch vornehme Damen hatten sich in Lehnsesseln nahe der Barrière placirt und erwarteten zu gleichem Zwecke, in gleicher Spannung, den wichtigen Moment.

Wenn man so viele Hoffende und Bittende sah und sich dachte, daß ein Wort, ein Federstrich so tausend heiße Wünsche erfüllen, so Viele beglücken kann – dann schien es herrlich, ein Kaiser zu sein!

Auch sollen viele dieser Bittschriften Erhörung gefunden haben, obgleich sie der Kaiser nicht in Zytomierz, das er des Nachts durchfuhr, sondern einige Tage später, in Kiew, empfangen konnte. Der Kaiser, dessen großartige Heldengestalt wir so gern wieder erblickt hätten, kam leider Nachts hier durch: seinen Sohn aber, den Thronfolger Alexander, der auch in diesem Herbst auf einer Reise nach dem Süden die Stadt berührte, sahen wir bei Tageslicht und in einem ergreifenden unvergeßlichen Moment. Es war vor der katholischen Hauptkirche, wo sich die Geistlichkeit in feierlichen Gewändern zum Empfange des Herrschersohnes versammelte, den die russische Priesterschaft soeben in gleicher Weise vor der griechischen Hauptkirche begrüßt und gesegnet hatte. Die offene Reisekalesche des Großfürsten, dem eine einzige zweite folgte, hielt eben vor der Pforte des Vorhofs; der Bischof, ein ehrwürdiger silberhaariger Greis in langem weißen Gewand, trat heran und reichte segnend das Crucifix dem jungen schönen Manne, der sich im Wagen erhob und es mit beiden Händen inbrünstig umfaßte, es andächtig mit den Lippen berührte und darauf mit demuthsvoller Verneigung den Segen des Priesters empfing. Der graue Reisemantel war zurückgefallen und ließ die edle hohe Gestalt erkennen, und die Sonne, die eben durch die Wolken brach, beleuchtete ein schönes bleiches Antlitz und ließ uns in den ernsten, milden geistvollen Zügen die Verheißung von Rußlands schöner Zukunft lesen.

Nach den freundlichen Herbsttagen, an denen wir von allen unsern Lieblingspunkten in der Gegend Abschied nehmen und Maigefühle haben konnten, wenn wir an sonnigen Morgen durch neubegrünte Felder fuhren, kamen die trüben Tage, wo rauhe Winde die letzten welken Blätter von den Bäumen wehten und die heimkehrenden Störche gleich schwarzen Wolken über uns hinzogen, wo dichter Nebel die Fernen verhüllte und uns eine Vorahnung von dem Schneegewand gab, das bald die Erde bedecken wird.  Da kehrten jene Gedanken an Tod und Vergänglichkeit wieder, jene trüben Stimmungen, die wir jährlich von neuem durchleben. Aber auch sie werden vorübergehen und Auferstehungsgedanken und neue Jugendgefühle werden mit dem neuen Frühling wiederkommen – und wir danken Gott für dieses stetige Gehen und Kommen in der Natur, diesen regelmäßigen Wechsel in er schönen Welt des Lichts und der Farben, für dieses Etwas, das uns sicher bleibt im Wandel unsers irdischen Daseins, in dem soviel dahingeht ohne Wiederkehr, soviel veraltet ohne neue Blüte! 

(…)

 

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